Bericht vom WWM, Pfingsten 2018

Wie aus ehrenhaften Seglern Piraten wurden.

Das Wetter ist an diesem Samstag ruhig. Wir Segler sollen uns in Flüelen im Nauenhafen um etwa 1700 Uhr zum Apéro treffen.

In der Region Brunnen steht ein schwacher Wind, "calm" steht im Logbuch. Die Reise wird als Einhandsegler angetreten und ich frage mich ob es sinnvoll sei, überhaupt die Segel hochzuziehen. Mit 2 Knoten Wind ist es schwierig 4,5 Tonnen in Bewegung zu setzen. 15 Minuten nach dem Auslaufen, unter Motor und mit Autopilot, wird der Schillerstein passiert. Und da passiert es! Es kommt Wind auf! In kürzerster Zeit bis 14 Knoten. Typisch Urnersee! Also geht als erstes die Fock hoch. Mit achterlichem Wind nimmt die "BlauweSter" fahrt auf. Hat Eolus, Gott des Windes, tatsächlich Lust zum blasen? Jawohl, er hat. Bis Flüelen werden immerhin fast 5 Meilen unter Segel zurückgelegt. Sektor 12 kann nicht gültig erklärt werden, aber Sektor 13 ist geschafft. Ganz leer geht die Reise daher nicht aus.

WWM 2018, RGV-CCS, Segeln Vierwaldstättersee Urnersee LuzernAuf diesem Abschnitt sind nur wenige Schiffe unterwegs. Ob die anderen Teilnehmer mit dem „Pneu“-schiff kommen, oder erst morgen? Beim Einlaufen wird festgestellt, dass schon einige Teilnehmer da sind. Das wird ein geselliger Abend. Noch während dem „Klarschiff“ machen nehme ich etwas Surrendes wahr. Woher kommt denn das? Von Oben, ein Vierpropellergerät mit Fotokamera. Und wo ist der Pilot? Gerade im Schiff vor mir, der Skipper der „Lucy“ mit seinem Sohn Määx. Aha, soll ich ihn fragen, ob er eine Lizenz hat J? Hat er sicher (noch) nicht.

Es fängt an zu Regnen. Frage an Enten: Schmeckt Regenwasser besser als Vierwaldstätterseewasser?

Nach dem Apéro begeben sich alle zum Restaurant/Pizzeria „Anker“. Hampi hat für uns reserviert und ein Einheitsmenu bestellt. Eine Vorspeise bestehend aus verschiedenen italienischen Pasta Varianten, anschliessend, gemäss Hunger, eine oder mehere Achtel Pizzas, und zum Abschluss ein oder auch zwei Kugeln Glacé.

18 05MaiRgvWWM 52 webAm nächsten Morgen sind die Berggipfel wolkenverhangen. Wollen wir hoffen, dass es trocken bleibt. Kurz bevor die Spiel-Utensilien verteilt werden, trifft die „Joy II“ mit Hans Weber und Peter Heinzer und Crew ein. Auch Ludwig ist mit Höchst-geschwindigkeit unter Motor angekommen. Alle Teilnehmer können 2 Trinkgläser mit Segelschiff-Motiv in Empfang nehmen. Die Spielregeln werden nochmals erklärt. Jedes Schiff besorgt sich 2 Ballone, eine Schnur zum Ballon nachschleppen und ein Stechinstrument um den gejagten ehrenhaften Segler in einen Piraten zu verwandeln. Aber wo ist die „Indra“ der Irene? Die wollte doch auch mitmachen. Kurz bevor die Teilnehmer auslaufen wollen läuft sie ein. Hampi erklärt die Spielregeln und überreicht die Spielattribute. Jetzt geht’s los.

Alle Segelschiffe stechen in See. Der Wind bläst mit nur 2 Knoten. So kommt das 4,5 Tonnenproblem wieder ins Spiel. Kaum im Piratenrevier, kommt Wind auf. 10 Knoten werden angezeigt. Das sieht schon viel besser aus.

Christoph, der erste Pirat, geht mit seinem „Häxli“ als erster auf „Lucy“ los. Skipper Stefan war im letzen Jahr der Gewinner. Wir schauen zu wie er sich wehrt, aber es gelingt ihm nicht, den Agressor auf Distanz zu halten. Kurz darauf ist auch die „Joy II“ ein Opfer. Das gibt schon 3 Piraten. Alle anderen versuchen Richtung Isleten dem drohenden Unheil zu entkommen. Solange es Wind hat funktioniert das nicht schlecht. Hoffentlich bleibt das so. Wir segeln genau am Gebietsrand von Isleten zu Reussmündung. Prima mit achterlichem Wind. Bei Isleten gibt es ein kleineres Gnusch. Der „Eisvogel“ mit Walter und Lisa versucht auch, nach Süden zu entkommen. Wir schauen zu wie auch sie in einen Piraten verwandelt wird. Für sie Pech. Es gibt halt traurige Schicksale.

Weniger gut ist jedoch, dass sie, ohne Kurs ändern zu müssen, weiter segelt und das in unsere Richtung! Noch sind wir weit voraus. Soll nur der Wind bleiben. Das nun ist eine Vierwaldstättersee Schwierigkeit. Wo wir sind nimmt der Wind ab: 9 Knoten, 8 Knoten, 7 Knoten. Am Windwellenbild sehen wir wie der Eisvogel-Pirat genau noch Wind zur Verfügung hat. Bei uns gibt‘s nur noch 5 Knoten, 4 Knoten. Richtung Bolzbach muss es ein Gemetzel geben. Wer wen jagt ist auf diese Distanz nicht erkennbar. Noch haben wir eine Chance, als Letzter zu überleben. Nur noch 2 Knoten, noch ein Knoten und vorbei ist das Segelvergnügen. Auch die Fahrt durch’s Wasser geht nach 0,0!

Da fällt uns ein Surren auf. Da ist das „Vierpropellergerät“ von gestern wieder. Der Skipper der „Lucy“ ist dabei unsere heldenhafte Flucht vor dem Piraten zu dokumentieren. Anstatt surren soll das Gerät  doch lieber genügend Wind erzeugen. Das wäre wenigstens konstruktiv.

18 05MaiRgvWWM 68 webLisa ist schon auf dem Vordeck. Stechstange in der Hand, ein Schmunzeln im Gesicht. Da wir den ersten Ballon haben wechseln müssen, weil er Luft verloren hat, wollten wir versuchen mit diesem viel kleineren ein Ablenkungsmanöver herbeizuführen. Aber das war ein Fehlschlag. Sowohl der Kleine als auch der viel Grössere wurden erbarmunglos abgestochen.

Der „Eisvogel“ Pirat versuchte uns noch zu trösten: „Ihr sind Zweitletzter“. Anstatt eine Belohnung heisst das: Diesen Bericht schreiben zu müssen.

18 05MaiRgvWWM 76 webDas war es dann. Ohne Wind muss Volvo arbeiten. Die Segel wurden eingerollt oder gestrichen. Ab Richtung Hafen. Erst etwa 50 Minuten später wurde der letzte ehrenhafte Segler verwütscht. Wie heisst es so schön: Die letzten werden die Ersten sein. Die „Indra“ der Irene kam als Letzte in Flüelen an und wurde jetzt Erste. Gratuliere!

Die Trophäe ist jetzt in RG Urnersee-Hand. Eilt herbei ihr Urnerseeleute, und helft mit zu versuchen diese schöne kardanisch aufgehängte Uhr das nächste Jahr für die RG zu behalten. Aber achtung, die Luzerner werden euch bestimmt wärmstens empfangen. Die Stechstangen werden schon gewetzt.

 

 

 

Erik A. Bruinsma_