Entstehungsgeschichte der Regionalgruppe Vierwaldstättersee

Aus der Sicht des ersten Gruppenobmannes Willi Hunziker.
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Nach handschriftlichen Aufzeichnungen niedergeschrieben von Edgar Rüesch; 

Die Gründungsgeschichte eines Segelclubs neben dem Yachtclub Luzern reicht eigentlich in die ersten 50iger Jahre (dieses Jahrhunderts) zurück. Leute wie Rösch Ueli, Strebel Jakob, Merz Heinrich, Brändli Paul, Gloor Fredi, Heid Franz, Dr. Bischof, Uttinger Hans, Brun Seppi und Hunziker Willi trafen sich bei Gelegenheit in Baumgarten zu gemütlichen Abenden.

Zu ihnen gesellten sich ab und zu noch die beiden Seppis von Matt und Binkert. Auch Leute, die bereits Mitglieder des YCL waren, tauchten hie und da auf, so Dr. Theo Christ, Otto Durrer, Ernst Brauchli und Walter Wenger.

Dabei wurden von den Leuten Rösch, Gloor und Wenger Pläne geschmiedet für die Gründung eines Segelclubs im Raume Stansstad. Brun und Hunziker aus der Horwer-Ecke standen diesen Plänen sympathisch gegenüber. Die Mitglieder des YCL aus dem Raume Stansstad verstanden es aber immer wieder, die Bestrebungen zu unterbinden. Eine gewisse Hilfe mag von den Pläneschmieden selbst ausgegangen sein, lagen sich doch deren zwei wegen der Besetzung des Präsidentenstuhls in den Haaren. Nachdem Ueli Rösch sein Domizil anderwärts verlegt hatte, kehrte in Sachen Segelclub vorerst wieder Ruhe ein.

Die beiden Horwer segelten ihre 15 m2 Wanderjolle und kamen damit in Kontakt mit dem YCL. Als dort einige Mitglieder Starboot-Neubauten anschafften, kaufte Seppi Brun das Starboot "Tampi" von Hugo Fröhlich. In der Folge segelten Brun und Hunziker miteinander auch Starboot und versuchten sich auch im Regattieren. Familienzuwachs beim einen und Bekanntschaft beim andern sowie der Verzehr von Blauwasser-Literatur weckten den Wunsch nach einem Fahrtenkreuzer. Vom damaligen Präsidenten des YCL, Dr. Werner Bucher, sehr empfohlen wurde der 20 m2 Jollenkreuzer. Das Budget war klein und so kam nur Selbstbau in Frage. Wir hatten darin bereits einige Erfahrung. Nach Deutschland orientiert, hatte ich die "Yacht" abonniert. Damals war dort eine Kontroverse im Gang zwischen dem Verfechter des Leichtbaues in Deutschland, Ernst Lehfeld, und den etablierten Yachtkonstrukteuren.

Von der Physik und Mechanik her überzeugten mich die Argumente Lehfelds. Heid Franz, der bei den Pilatuswerken (in Stans) arbeitete, berichtete uns von einem von der CIBA hergestellten Leim "Aerolite". Eine Anfrage bei der CIBA ergab, dass man dort bereits einen Schritt weiter war und den "Aerodux" herstellte. Damit waren technisch keine Schwierigkeiten zu erwarten. Folglich bestellte ich bei Lehfeld die Baupläne für einen 7-Meter-Knickspant-Kielschwerter, unkenterbar und unsinkbar. Leider hatten wir damals keine Kenntnisse von der Entwicklung des Leichtbaues in Frankreich. Unabhängig davon machten wir im Herbst 1955 beim Auswassern unserer Boote die Bekanntschaft mit Hans Wechsler aus Emmenbrücke. Er war Hans Uttinger beim Auswassern seines Lacustre behilflich, und hatte den Lightning "Kontiki" für Walter Wenger gebaut. Im Winter überholte er die Boote verschiedener Segler, auch solche von Yachtclub-Mitglieder.

Hans Wechsler kaufte Pitchpine-Bodenriemen aus der Sattlerei Amrein an der Weggisgasse in Luzern. Vom Beiboot des Hans Uttinger wurde die Form kopiert, ein Mallgerüst erstellt und darauf im Herbst und Winter bei mir (an der Winkelstrasse in Horw) im Erdgeschoss einer ad-hoc eingerichteten Werkstatt Beiboote auf Kiel gelegt. Der Erlös diente der Anschaffung von weiterem Werkzeug.

Bei der Überholung von Schiffen in der Harrissenbucht erzählte uns Walter Wenger von der in Bern erfolgten Gründung des Cruising-Clubs der Schweiz und von dessen Bestrebungen um das Fahrtensegeln. Aus Luzern gehörten diesem neuen Club an Walter Wenger und Edgar Rüesch als Gründungsmitglieder, ferner Richard Peter. Auf die Frage nach den Aufnahmebedingungen teilte uns Walter Wenger mit, es sei eine Aufnahmeprüfung zu bestehen, dazu seien die Unterschriften zweier Paten nötig. Damit war dieser Verein für mich fürs erste als Vetterliwirtschaft klassiert. Das mit der Prüfung fand ich hingegen positiv.

Nach dem Erfolg mit den Beibooten entschloss sich Hans Wechsler auch zum Bau eines Lehfeld-Kreuzers. Brun und Nellen interessierten sich auch dafür. Gemeinsam wurde eine alte Baracke gekauft, abgebrochen und auf meinem Grundstück (in Horw) wieder aufgestellt. Dass mit dem Erwerb der Baracke noch Rechtshändel mit einem weitern Interessenten verbunden waren und dass wir mit dem Verladen von Lastwagen und Anhänger auf die gerichtliche Freigabe warten mussten, kann als kleines Intermezzo gelten, auch dass der Transport durch die fliegende Polizeipatrouille auf der Strecke Gisikon-Luzern zweimal begutachtet und für gut befunden wurde, gehört vermerkt. Wehe, wenn man uns auf die Waage geschickt hätte. Auch die Ergatterung der Bewilligung für das Aufstellen der Baracke ist eine kleine Historie für sich.

Alles fand aber dank guter Beziehungen, gegenseitigem Einvernehmen und wirklich guter Kameradschaft ein gutes Ende und so schwammen 1961 die ersten zwei und 1962 die beiden nächsten Boote friedlich im See.

Die Erlangung der Verankerungsrechte vom Kanton war wiederum etwas, das zu reden und zu schreiben gab. Schliesslich kannten wir mit der Zeit sowohl den kantonalen Fischereiaufseher Sebastian Hofer aus Meggen und den kantonalen Schiffsinspektor Max Jambé so gut, dass mir der Kanton das Setzen und Vergeben von Bojen im Winkel überliess.

Ab Sommer 1961 lernten wir dann auch die Herren Max Baumann, Josef Lauber, Hugo Keller, Josef Röthelin kennen, die sich motorisiert oder unter Segeln auf dem See herumtummelten. Im Spätsommer erhielt ich eine Einladung auf den 8. Oktober 1961 zu einer Bootstaufe in der Harrissenbucht, die in der urprächtigen Form von Max Baumann und Josef Lauber zelebriert wurde. Die Täuflinge waren: 

Tuggenia
Orion
Milan 
Flamingo
Kon Tiki
Mecky 
Blue Water
River Ghost 
Yukon


Max Baumann
Josef Lauber
Josef Röthelin
Hugo Keller 
Walter Wenger
Willi Hunziker 
Hans Wechsler
Kari Wettli
E. Zimmermann


An dieser Taufe tauchte dann auch die "Janette" (ein Binnen-Dreissiger) auf, befrachtet mit den Damen Heidi Amrein und Carla Müller sowie mit dem Bootsmann Hans Albert Stocker, genannt Johny.

So hatte sich innerhalb von zwei Jahren ein kleiner Kreis Leute zusammengefunden, die sich gut mochten und die sich mit Rat und Tat beistanden, und miteinander auf dem See Wochenenden und Ferien verbrachten. Als sich dann im Sommer 1961 noch Dr. med. De Mestral zugesellte und uns Walter Wenger die Bestrebungen des CCS übers Kraut lobte, traten wir, die wir ja vor allem das Fahrtensegeln pflegten, dem CCS bei, und übers Jahr reifte der Gedanke für die Gründung der RGV, beschlossen anlässlich einer unserer Ausfahrten in der Hertensteinbucht mit offenem Handmehr von Schiff zu Schiff. Die Gründungsversammlung fand dann im Luzernerhof zu Luzern statt (Februar 1962). An ihr nahmen teil: Walter Wenger, Richard Peter, Josef Lauber, Hans Wechsler, Hans-Albert Stocker, Alois Ehrler, Josef Brun, Willi Hunziker und Heinrich Mändli.

Damit stand fürs erste die Regionalgruppe Vierwaldstättersee. Zum ersten Obmann wurde der Schreibende (Willi Hunziker) gewählt. Die Gruppe war klein, aber sehr aktiv. Der CCS hatte die Vorbereitung seiner Mitglieder auf das Fahren auf See zuvorderst in sein Pflichtenheft aufgenommen. Deshalb führte die Regionalgruppe Kurse in Seemannschaft (Binnen) und Navigation (Buten) durch. Unsere ersten Lehrer waren Richard Peter und Armand De Mestral. Es wurden vorerst Kurse zur Erlangung des "A"-Scheines durchgeführt. Die Prüfung durch Herrn Dr. Lieb und Roland Jacobi fand im Winkel statt. So vertiefte sich der Kontakt zum Stammverein und im Herbst 1962 fand dessen Generalversammlung im Hotel Baumgarten in Kehrsiten statt.

Die Kurse brachten neue, aktive Mitglieder. Der Zusammenhang und die Kameradschaft während der ersten Jahre waren stark. Wir erinnern uns an gemeinsame Ausfahrten, an das Nähen und Knüpfen von Flaggengalen, an Spontanzusammenkünfte und Bootstaufen. Bei solchem Anlass einmal geschah es! Dem damaligen Konter-Kommodore und Initianten des Kurses Seemannschaft auf dem Vierwaldstättersee gelang es, sein Schiff mitsamt seinem Kollegen, dem Vice-Kommodore, auf dem Heimweg von Baumgarten fünf Meter vor dem ersehnten Landungssteg so in den Schlick zu setzen, dass an eine Heimreise nach Schaffhausen am selben Abend nicht mehr zu denken war.

Ein Problem, mit dem sich unsere Mitglieder plagten, war die Frage des Winterlagers für die Boote. Das Problem wurde vom Schreibenden angegangen, erste Impulse wurden gegeben, Verbindungen geknüpft, Finanzierungsmöglichkeiten, auch unter dem Stammverein, geprüft und wieder verworfen. Aus diesen Vorbereitungen erwuchsen konkrete Vorschläge, deren Verwirklichung dem zweiten Obmann, Josef Lauber, vorbehalten blieb.

Damit hatte die RGV die Winterlagerhalle, einige neue aktive Mitglieder und gute Kameraden, und eine Menge neuer auswärtiger. Wenn man etwas zu bieten hat...

Damit schliesse ich meinen Rückblick auf den Zusammenschluss einer Gruppe von Idealisten, die mit beschränkten Mitteln etwas schufen, das im Lichte der heutigen Möglichkeiten vielleicht oft belächelt werden möchte; den damaligen Möglichkeiten entsprechend war es eine grosse Leistung.

Die Idee der Gründer des CCS aber, einer kleinen Gruppe Interessierter einen legalen Zugang zur See zu verschaffen, war so zündend, dass der kleine Verein von damals wuchs und wuchs und weiterwächst, wohl solange das nötige Kleingeld zur Erfüllung solcher Wünsche dem Einzelnen noch zur Verfügung steht.

Den Initianten Eduard Schifferli und Roland Jacobi verdanken wir, dass wir heute, mit einem offiziellen Papier ausgerüstet, unsere Flagge auf den Weltmeeren zeigen dürfen.

Luzern, 23. März 1994 Rü. / 30. November 2000 Ch.M.

Originalmanuskript undatiert.