Bericht vom Frühlingsstamm 2018

Vierwaldstättersee - ein reichhaltiges Ökosystem

Frühlingsstamm der RG Vierwaldstättersee am 16. Februar

 

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Unter diesem Titel stellte uns Alfred „ Johnny“ Wüest den See von einer ganz anderen Seite vor. Johnny ist Professor an der ETH Zürich und arbeitet zum Teil im Seeforschungslabor der EAWAG in Kastanienbaum, direkt am Vierwaldstättersee. Er kennt den See wie seine Westentasche, wie wir im Vortrag und in der Diskussion erfahren durften.

 

Wir, die normalerweise den See von einer ganz anderen Perspektive betrachten, nämlich vom Wasserspiegel her, durften einen Blick in den Untergrund werfen. Johnny überraschte uns mit spektakulären Aufnahmen des Bodenprofils des Sees. So wissen wir jetzt, dass sich im See zwischen dem Vitznauer- und Gersauerbecken eine subaquatische Moräne von 50 Meter Höhe erstreckt, welche zu beiden Seiten steil abfällt und dass das flache Luzernerbecken auf der Höhe zwischen Verkehrshaus und Tribschen plötzlich steil abfällt. Das Luzernerbecken ist so flach, dass ohne ein regelmässiges Ausbaggern des Beckens die Schifffahrt bald nicht mehr möglich wäre.

 

Johnny erweiterte auch unser Wissen bezüglich Strömungen und Einschichtung von Zuflüssen mit unterschiedlicher Temperatur und Dichte in den See.

 

Aufgrund der neuen Erkenntnis, dass das mit Schwebstoff beladene und dadurch schwerere Wasser des Alpnachersees in der Tiefe über das Vitznauer- und Gersauerberbecken bis nach Flülen fliesst, um dort aufzusteigen und sich dem normalen Wasserlauf wieder anzuschliessen, kam bei einigen Mitgliedern die spontane Idee ihre nächste Fahrt ins Urnerbecken doch mal unter Wasser auszuprobieren. Bei Flaute wäre dies wohl die schnellere Variante. Ich befürchte aber, dass an der Umsetzung noch etwas gearbeitet werden muss.

 

Die Wasserqualität des Vierwaldstättersees ist hervorragend. So ist der Phosphorgehalt seit Anfang der 90er Jahre wieder auf einem natürlichen Niveau von unter 10 µg/l. Dies freut aber nicht alle Anlieger. Für die Fischer ist der See zu „sauber“. Sie wünschen sich einen See mit einem höheren Nährstoffgehalt. Was ihnen einen höheren Fangertrag ermöglichen würde. Dies würde allerdings wieder die Trinkwasserqualität beeinträchtigen. Bei rund 100'000 Trinkwassernutzer gegen 5 Berufsfischer! ist der Sachverhalt wohl klar.

 

Neben der Beschaffung des Seebodens und der Wasserqualität, haben wir auch einiges über die Seebewohner erfahren. Die verschiedenen Fischarten bevorzugen unterschiedliche Seetiefen und Seeareale als Lebensraum. So haben Felchen, Seesaibling, Kaulbarsch und Egli ihre Nischen gefunden und können sich optimal entwickeln.

 

Auch die Nutzung des Seewassers als potentielle Wärmenergie kam zur Sprache. Das Seewasser hat ein grosses Potential für die Nutzung erneuerbarer Energie. Im Winter kann das Seewasser abgekühlt werden und die gewonnene Wärme energetisch für Warmwasser und Heizung von Siedlungen genutzt werden. Im Sommer kann das Seewasser zur Kühlung eingesetzt werden. Erstaunlich war zu erfahren, dass diese Prozesse die Wassertemperatur des Sees und damit das Ökosystem See nicht beeinflussen. Dies ist auf die Grösse des Sees zurückzuführen.

 

Der Vortrag lässt uns den See in ganz neuem Licht erscheinen. Mancher Segler oder manche Seglerin wird wohl in Zukunft beim Durchqueren der Nase nicht nur auf den Wind achten, sondern vielleicht auch denken: „hoppla ich überfahre ja gerade eine eiszeitliche Moräne“.

 

Im Anschluss an den interessanten und spannenden Einblick in das komplexe Ökosystem verwöhnte uns Rolf mit einem feinem Risotto und Fleischkäse. So konnten wir gestärkt die Diskussion über den See weiterführen.

 

Ute Kunze