Bericht vom Ausbildungstörn der RGV 2017

RGV Ausbildungstörn St. Malo – St. Malo 22.04. – 29.04.2017 der RGV

 

Ute und Riet haben sich für ihren Schulungstörn der Regionalgruppe Basel des CCS angeschlossen, um einigen Absolventen des RGV Hochseeausweises 2016 Segelerfahrungen in diesem bestbekannten Segelrevier zu ermöglichen.

 

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In aller Herrgottsfrühe des 21. April 2017 holt Philipp mit seinem Auto die Mitsegler Beni und Werni in der Umgebung von Luzern ab. Zusammen fahren sie nach Liestal, wo sie auf die Crews des CCS Basel treffen und die besten Plätze im Car ergattern. In Basel steigen auch die Skipperin Ute und Co-Skipper Riet zu. Mit Seesack und Abenteuerlust geht’s auf die Fahrt nach St. Malo. Pünktlich um 19 Uhr fährt der Car in der Marina Les Bas-Sablons ein, wo Regula, das sechste Crewmitglied, schon wartet. Bei Low Water steigen wir hinab ins Hafenbecken zur Teeyah (einer Sun Odysee 379) um das Gepäck zu verstauen. Als eher ungeübte Segler, ist das Verstauen des überflüssigen Gepäcks eine Herausforderung. Die einen nahmen Gepäck für eine mehrjährige Segelexpedition mit, die anderen begnügten sich mit einem Tagesrucksack. Im Restaurant Spinnaker ganz in der Nähe gibt es ein erstes gemeinsames Nachtessen.

Der Samstag ist gefüllt mit Schiffübernahme, Einkaufen, der Sicherheitseinweisung durch Co-Skipper Riet, Leinentechnik und die Planung des ersten Schlages. Werni plant den ersten Schlag von St. Malo nach St. Cast. Schnell wird es Abend. Bevor es dunkel wird laufen wir zur Bucht Solidor und suchen uns ein Restaurant. Das feine Essen haben wir uns echt verdient.

 

Leinen Los

ausbildungstoern2017-2Am Samstag weckt uns Tagesskipper Riet und schon hat Beni das Frühstück auf den Tisch gezaubert. Als Navigator führt Werni uns gekonnt aus dem Haufen in St. Malo. In sicherem Gebiet machen sich alle mit der Teeyah vertraut. Wenden, Beidrehen, Kringel fahren, Halsen und Reffen wird geübt. Am späteren Nachmittag legen wir im Hafen von St. Cast an. Der erste Sundowner auf Achterdeck wurde im doppelten Sinne zügig genossen. Während Philipp den Ort erkundet, beugen sich Werni und Regula über die Karte und suchen unseren neuen Zielhafen – St. Quay Portrieux. Beim Zubereiten der Spaghetti Bolognese, beobachtet Beni interessiert die rauchenden Köpfe und Töpfe. Ohne Riet hätten wir wohl viel mehr als vier Stunden Planung gebraucht. Die feinen Spaghetti muntern uns wieder auf, auch wenn fast die ganze Crew keinen Fuss mehr auf Land setzen kann.

Es bleibt uns wenig Schlaf, denn Werni poltert am Montag kurz vor 5 Uhr schon an die Tür. Mit kurzem Frühstück gestärkt, fahren wir um 6 Uhr hinaus auf hohe See. Navigatorin Regula hat mit Unterstützung von Riet und Werni die Route mit vier verschiedenen Ausgängen vorbereitet. Mit guten Wind- und Strömungsverhältnissen können wir nach 2 Stunden unsere bevorzugte Südroute wählen.

 

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Vor lauter Glück, den Zielhafen St. Quay Portrieux schon vor Mittag erreicht zu haben, kringeln wir glücklich und zufrieden durch das Hafenbecken. Alle manövrieren unter Motor vorwärts und rückwärts, machen die Tellerwende und das Aufstoppen. Nach den Manövern legt Philipp unter Anleitung sicher am Steg an. Für Dienstag ist ein 40 Seemeilen langer Schlag nach St. Helier auf der Insel Jersey geplant. Da der Koch am nächsten Tag navigieren muss dampften nur die Köpfe. Nach vier weiteren Stunden ist dann auch diese Planung Geschichte und wird kurz darauf wegen den zu erwartenden ungünstigen Windverhältnissen über den Haufen geworfen. Nach dem Essen nehmen Riet und Ute die Sache an die Hand und innerhalb von 5 Minuten steht die grobe Planung nach Paimpol.

ausbildungstoern2017-4Am Dienstagmorgen wird die neue Planung durch Navigator Beni und Tagesskipperin Regula ausgereift und gegen Mittag legen wir los. Es sind gute Windverhältnisse. Doch uns wird bewusst, was es heisst, gegen Strömung und Wind anzukämpfen. Aus 4 Stunden werden 7 Stunden Fahrt. Für die Hafeneinfahrt kurz vor dem Hochwasser versucht Beni die Transitlinie zu halten. Heil erreichen wir den Hafen, wo uns Hans mit seiner Crew den besten Anlegeplatz im alten Hafen freigehalten hat. Philipp und Regula planen die Überfahrt nach St. Helier erneut. Auch diese Planung wird kurz vor der Vollendung über Bord geschmissen, da der Wind weiterhin aus der falschen Richtung bläst. Die weitere Planung wird auf den nächsten Morgen verschoben. Wohl durch unseren Charme verwirren wir im nahe gelegenen Restaurant das Servicepersonal und lernen äusserst spezielle Serviermethoden und Gerichte kennen.

Um die Schleusenausfahrt am Mittwochmorgen nicht zu verpassen, werden im Schnelltempo die Instruktionen gegeben. Regula führt uns einhändig durch die Schleuse, während Beni das Fender-Fischen in der Schleuse übt. Die Hafenausfahrt erkennen wir kaum wieder, da nun viele Steine den Weg versperren. Der Unterschied der Tidenhöhe imponiert uns ein weiteres Mal. An sicherer Stelle nach der Hafenausfahrt üben sich alle im Anker setzen und heben, an der Ankerwinsch und am Steuer. Gut verankert wird die detaillierte Planung nach St. Quay Portrieux vorgenommen. Nach dem Lunch geht die Fahrt in Richtung Süden weiter. Als ob wir das gewünscht hätten: zum Segelsetzen beginnt Hagel und Graupelschauer. Rudergänger Beni und Navigator Philipp trotzen dem Wetter und führen uns durch die "Hagel-Schauer". Auf dem Weg nach St. Quay Portrieux können wir noch einmal

Halsen und Q-Wende unter stärkerem Wind üben. Nach rund zweistündiger Fahrt kommen wir in St. Quay Portrieux an. Es ist wie ein Heimkommen in den uns bekannten Hafen. Beni bekocht uns mit feinstem Poulet und Risotto während Philipp und Werni die Planung des nächsten Tages gekonnt an die Hand nehmen. Riet muss weniger helfen und die Planung scheint im Nu gemacht.

 

Am Donnerstag erwartet uns das Highlight: Trocken fallen ist angesagt.

Um zur richtigen Zeit in der gewünschten Bucht zu sein, dürfen wir ausschlafen oder Croissant organisieren. Nach dem Mittag geht die Fahrt los. Trotz viel tierischem Fachwissen können wir uns nicht einig werden, ob wir südlich von Rohein Delfine oder Wale beobachten – vielleicht war auch die Distanz zu gross... Um das Cap Frehel erleben wir, was es heisst mit der Strömung zu fahren. Wir rechnen aus, dass uns ca. 5 Knoten Strömung vorwärts schieben. Und der allseits bekannte und beliebte Leuchtturm fliegt fast zu schnell an uns vorbei. Gegen 19 Uhr ankern wir südlich der Île des Hébihens. Das gut eingeübte Ankermanöver wurde vom Land her mit wahrem Applaus, Winken und Rufen goutiert. Erst als wir SOS im Sand entziffern konnten, wurde uns bewusst, dass dies nicht unserem Ankermanöver galt, sondern der misslichen Lage der drei Gestrandeten. Es werden diverse Rettungsmanöver besprochen und theoretisch abgehandelt. Soll das Dinghi aufgeblasen werden oder eine gross angelegte Rettungsaktion per Funk gestartet werden?

ausbildungstoern2017-5 Bevor wir uns einigen können, erblicken wir die Seerettung am Horizont. Als die Gestrandeten im Rettungsboot vorbeifahren, erfreuen wir uns über ihrem herzlichen „Merci“. Philipp, Werni und Regula planen dann den letzten Schlag – wieder zurück nach St. Malo in den Heimathafen der Teeyah. Nach den feinen Älpermagronen von Beni warten einige Verbissene auf dem Heck bis die Ruder im Sand aufliegen. Die anderen singen unter Deck vor der angesagten Nachtruhe mit rauher Kehle einige Shanty-Lieder. Um 3:58 klingen gleich sechs Wecker, es ist die Zeit des Niedrigwassers. Nun beginnt die Marsexpedition. Mit Stirnlampen wird die Umgebung und die Teeyah von unten begutachtet. Philipp erkundet fast die ganze Insel und gelingt es ihm immerhin das Boot vor der Flut zu erreichen? Die Skipperin Ute macht sich schon Sorgen

und wäre wohl lieber schlafen gegangen.

 

Am Freitag um halb sieben beginnt der Decksjunge Riet das Heck zu schrubben und sämtliche Stiefel von jenem mysteriösen Sand zu reinigen. So werden auch zuverlässig die letzten Langschläfer geweckt.

 

Kurz nach 8 Uhr werden Heck- und Buganker

gelichtet und wir nehmen Fahrt auf nach St. Malo. Navigatorin Regula will die Crew durch die Passage du Decolle nach St. Malo führen. Kurz vor Einfahrt in die Passage kommt ein Schauer mit böigem Wind auf. Dieser zwingt uns die Route zu ändern und die klassische Einfahrt zu wählen. Aufgrund schlechter Sicht ist die Transitlinie angeknipst. So können wir in aller Ruhe die letzten Meilen geniessen.

Ein grosser Dank gebührt Ute und Riet für das Ermöglichen dieses lehrreichen Törns. Wir wussten nicht, dass wir mit dem Segel-Schulungstörn ein Rundumpaket mit Kursen im Kochen, in der Ornithologie, im Französisch und in der Teambildung gebucht haben.


Danke auch an die RG Basel für die tolle Organisation und freundliche Aufnahme unserer Crew.

Regula Seeholzer & Bernhard Schnarwiler